Gisela Notz: Kritik des Familismus

29 Nov

Am kommenden Donnerstag, den 1.12.2016, um 19 Uhr liest Professorin Gisela Notz im HS XVIII im Melanchthonianum aus ihrem Buch Kritik des Familismus – Theorie und soziale Realität eines ideologischen Gemäldes. Die Lesung findet in Kooperation mit dem Dornrosa e. V., der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt e.V. und dem Frauenpolitischen Runden Tisch Halle statt.

Familismus bezeichnet die weitgehende Identität von Familie und Gesellschaft. Danach bildet das System aller Familien das Gemeinwesen. Familismus ist auch die Überbewertung des familiären Bereichs als Quelle für soziale Kontakte. In familistischen Gesellschaften – dazu gehört die Bundesrepublik Deutschland ─ gilt die Familie als Dreh- und Angelpunkt aller sozialen Organisationen.
Selbst in das in frauenpolitischer Hinsicht fortschrittliche Grundgesetz für die BRD wurde 1949 der Familismus eingeschrieben, indem die Auffassung von der Familie als wichtigster Baustein einer Gesellschaft aufgenommen wurde und somit eine konservative Familienideologie, die Frauen und Männern eindeutige Rollen zuwies und die bis heute wirkt, verfestigt wurde. Erst die neue Frauenbewegung entwickelte Gegenkonzepte, die heute allerdings zu verblassen scheinen. Staatliche Familienpolitik fördert nach wie vor die traditionelle mit Vater, Mutter und Kind(ern) «normalbesetzte» Kleinfamilie in der Kinder erzogen und pflegebedürftige Menschen versorgt werden sollen. Die soziale Realität hat sich längst von diesem ideologischen Gemälde entfernt. In der Einführung geht es zunächst um eine historische Rekonstruktion exemplarischer Theorien und Praxen, die zu jenem ideologisierten Familienverständnis führen, das auf das «Gemeinwohl» abzielt, faktisch aber alle Menschen ausschließt, die nicht zu einer Familie gehören und Frauen zu rechtlosen Wesen macht. Am Ende steht die Frage, ob es sinnvoll ist, ein kritikwürdiges System weiter auszuweiten, indem sich häufende Zusammenlebensformen durch vom Staat verordnete Gesetze «normalisiert» werden und damit wiederum andere daran gemessen und ausgegrenzt werden, wenn sie sich nicht in die familiale «Ordnung» fügen.

Gisela Notz, Sozialwissenschaftlerin und Historikerin, bis Mai 2007 Wissenschaftliche Referentin im Historischen Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung, Forschungsabteilung Sozial- und Zeitgeschichte, Bonn. Lehrbeauftragte und Vertretungsprofessuren an verschiedenen Universitäten. Arbeitsschwerpunkte: Arbeitsmarkt-, Familien- und Sozialpolitik, Alternative Ökonomie, historische Frauenforschung. Sie lebt und arbeitet freiberuflich in Berlin.

 

Hinweis:

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die durch beleidigende, sexistische, rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung treten, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen. Gleiches gilt für Personen, die der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch derartiges Verhalten in Erscheinung getreten sind.

Podiumsdiskussion: Schneller, höher, stärker – unsichtbar. Geschlecht und sexuelle Identität im Sport.

24 Nov

Im Rahmen der Hirschfeld-Tage findet heute Abend eine Podiumsdiskussion vom Ministerium für Justiz und Gleichstellung statt: Schneller, höher, stärker – unsichtbar. Geschlecht und sexuelle Identität im Sport.

24. November 2016 um 18 Uhr
im Erdgas Sportpark (Fußballstadion), Halle (Saale)

Alle Infos unter: http://www.mj.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MJ/MJ/lsbtti/gleichstellung_beginnt_im_kopf.pdf

P.S. Auch wenn eigentlich eine Anmeldung erwünscht ist, könnt ihr ohne hingehen.😉

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Veranstaltungsempfehlungen: alv und Forum Legal Gender Studies

22 Nov

Heute finden gleich zwei spannende Vorträge statt. Zum einen refereriert Rita Schäfer im Rahmen des Forums Legal Gender Studies Halle über Frauenrechtsorganisationen in Südafrika und ihre Ansätze gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Zum anderen hat das alv den Vortrag „Zurück zum christlichen Traditionalismus. Jennifer Stange über Evangelikale“ bei Radio Corax organisiert.

Das komplette Programm des alv findet ihr hier und zum Programm des Forums Legal Gender Studies Halle geht es hier.

22.11.2016, Dienstag, 18:15, Hörsaal E, Melanchthonianum:
Frauenrechtsorganisationen in Südafrika und ihre Ansätze gegen geschlechtsspezifische Gewalt, mit Rita Schäfer,
Veranstalter*in: Forum Legal Gender Studies Halle,

22.11.16, Dienstag, 19:00, Radio Corax:
Zurück zum christlichen Traditionalismus. Jennifer Stange über Evangelikale,
Veranstalter*in: alv
Angesichts des sich radikalisierenden Islam erliegen selbst Linke der Versuchung, den christlichen Religionen (in Westeuropa) eine Harmlosigkeit zu attestieren, die sich erst auf den zweiten Blick blamiert. Auf den ersten Blick ist die Kirche widerlegt und entmachtet: die Zahl der Konfessionslosen steigt, die Kirchenbänke bleiben zunehmend leer. Doch während die Kirchen zu einer Ware auf dem Markt für Seelenhygiene herabgesetzt werden und der Papst zum österlichen Grußaugust mutiert ist, verzeichnen nicht nur christlich-kulturindustrielle Gottesspektakel Zuschauerrekorde. Auch evangelikale Strömungen gewinnen an Einfluss. Jennifer Stange gibt einen Überblick über die evangelikale Szene und ihre repressiven Gesellschaftsentwürfe.

6.12.16, Dienstag, 19:00, Melanchthonianum, Universitätsplatz:
Religionskritik konkret: Mina Ahadi über den politischen Islam,
Veranstalter*in: alv

13.12.2016, Dienstag, 18:15, Hörsaal E Melanchthonianum:
Entwicklung und Herausforderungen der Verfolgung sexualisierter Gewalt im Völkerstrafrecht,
mit Alexander Schwarz,
Veranstalter*in: Forum Legal Gender Studies Halle

Mithu M. Sanyal: Vergewaltigung – Aspekte eines Verbrechens

14 Nov

Gestern war sie in Leipzig, heute ist sie in Halle. Dr. Mithu Melanie Sanyal, Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Journalistin, schreibt u.a. für Frankfurter Rundschau, taz, SPEX, Missy Magazine, Vice.

Heute 19 Uhr wird sie ihr kürzlich erschienenes Buch „Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens“ vorstellen, um anschließend mit uns ins Gespräch zu kommen. Die Veranstaltung findet im Melanchthonianum HS XVIII statt.

Die Silvesternacht 2015/16 in Köln. Zu Tode misshandelte Frauen in Indien. Kachelmann, Polanski, Assange, Strausskahn… Am Thema Vergewaltigung entzünden sich immer wieder erbitterte Debatten, manifestiert sich die Haltung der gesamten Gesellschaft gegenüber Geschlecht, Sexualität und Verletzbarkeit. Doch trotz breiter medialer Berichterstattung gibt es bis jetzt keine umfassende Auseinandersetzung mit diesen Zusammenhängen. Mithu M. Sanyal schließt diese Lücke. Ausgehend von Konzepten von Aristoteles bis Foucault, über die feministischen Kämpfe um die Anerkennung von Vergewaltigung, popfeministische Entwürfe und Social-Media-Aktionen wie #aufschrei und #ausnahmslos bis hin zu den Problemen einer echten Reform des Sexualstrafrechts geht Sanyal der Frage nach, wie Vergewaltigung gesellschaftlich verhindert werden kann.

Achtung – Vortrag heute entfällt!

10 Nov

Leider muss der Vortrag, der für heute Abend, 10.11.2016, 19 Uhr geplant war, leider ausfallen. Der Referent Marc Brandt schafft es verkehrsbedingt nicht pünktlich nach Halle.

Marc Brandt: Kritische Männlichkeit und ihre Vermittlung

10 Nov

Heute Abend (Donnerstag, 10.11.2016) referiert Marc Brandt um 19:00 Uhr zu Kritischer Männlichkeit. Die Veranstaltung findet im Melanchthonianum im HS XVIII statt.

Was verbirgt sich hinter der Idee einer „alternativen“ oder „kritischen Männlichkeit“? Wie und wo ist diese lern- und vermittelbar? Wie können Jungen und Männer für emanzipatorische Veränderungen der Geschlechterverhältnisse gewonnen werden? Der Pädagoge Marc Brandt ist zu dem Thema in der politischen Bildungsarbeit sowie in der Kinder- und Jugendhilfe tätig. Er wird aufzeigen, wie Herrschaftsansprüche, gesellschaftliche Einengungen und Erwartungen an Gender in Frage gestellt werden können. Die eigene Männlichkeit ist veränderbar – und auch die sozialen, ökonomischen und politischen Umstände, unter denen alle leiden.

Hinweis:

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die durch beleidigende, sexistische, rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung treten, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen. Gleiches gilt für Personen, die der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch derartiges Verhalten in Erscheinung getreten sind.

Vinzent Vogt: Schubladendenken im Flüchtlingsrecht – Zur Anerkennung geschlechtsspezifischer Verfolgung

3 Nov

Heute (schon in zwei Stunden!) findet der erste Vortrag unserer aktuellen Veranstaltungsreihe statt. Wir freuen uns sehr auf euch!

Flucht und Zwangsmigration haben in verschiedener Hinsicht genderspezifische Ursachen und Auswirkungen – sowohl bezüglich Fluchtgründen, Fluchtzielen, aber auch bezüglich besonderer Gefährdungslagen. Nach einem Überblick über diese genderspezifischen Aspekte von Flucht sowie über die Rechtssystematik des deutschen und europäischen Asylrechts nimmt der Vortrag insbesondere die Anerkennung von geschlechtsspezifischen Fluchtursachen ins Auge. Ausgehend vom Flüchtlingsbegriff der Genfer Flüchtlingskonvention soll aufgezeigt werden, wie in der früheren Rechtsprechung in Deutschland genderspezifische Verfolgung ausgeblendet wurde und wie queerfeministische Akteur*innen hier positive Veränderung in der Anerkennungspraxis erringen konnten. Weiterhin wird beleuchtet, welche Geschlechterkonstruktionen hinter dieser Einordnung stecken und wie dadurch die Gefahr der Essentialisierung von Identitäten besteht.

Vinzent Vogt beendet gerade sein Jurastudium an der Uni Halle und ist wissenschaftliche Hilfskraft bei Prof. Dr. Dirk Hanschel. Er beschäftigt sich mit Migrationsrecht im Praxisprojekt Migrationsrecht in Halle, im Netzwerk Migrationsrecht sowie als Mitbegründer von refugee law clinics abroad. Außerdem arbeitet er zu Legal Gender Studies und Antidiskriminierungsrecht und hat in Halle das Forum Legal Gender Studies mitbegründet.

Das Elend der Staatsbürgerin

1 Nov

Am kommenden Samstag, den 5. November, 10 bis 18 Uhr findet der Workshop „Das Elend der Staatsbürgerin“ (Workshop Feminismus & Migration) am Steintor-Campus Seminarraum 7 (Emil-Abderhalden-Straße 25-28) statt.

Anmeldung unter staatsburgerin@gmx.de

Die Veranstalter*innen schreiben:

„In welchem Zusammenhang stehen Staat und Geschlecht? Was haben Feminismus und Neoliberalismus gemeinsam? Welche Rolle spielt die Feminisierung internationaler Politik? Sind Migration und Flucht geschlechtsblind? Diese und andere Fragen wollen wir in zwei aufeinander folgenden Workshops zu den Themen Staat, Demokratie und Geschlecht, sowie Migration und Geschlecht gemeinsam diskutieren. Dafür haben wir einen Reader zusammengestellt, den ihr bei der Anmeldung per Mail bekommt.

Nach den Workshops werden unsere zwei Gäste jeweils einen Vortrag halten, den wir anschließend diskutieren wollen. Professorin Birgit Sauer (Uni Wien) ist eine führende Theoretikerin auf dem Gebiet der Geschlechterforschung und referiert um 12 Uhr zum Thema „Demokratie, Geschlecht und Arbeitsteilung“. Den Tag beenden wird Christoph Michael, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Bonn mit den Schwerpunkten Politische Theorie und Migrationspolitik, der um 17 Uhr zum europäischen Grenzregime spricht. Am Ende wird es unsere Aufgabe sein, die Erkenntnisse des Tages zu bündeln, um die gegenwärtigen globalen Entwicklungstendenzen besser zu verstehen.


Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die der faschistischen Szene zuzuordnen sind oder durch rassistische, nationalistische, antisemitische, islamophobe, sexistische, homophobe oder sonstige menschenverachtende Äußerungen und Symboliken in Erscheinung treten, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.“

Weitere Infos unter: http://www.facebook.com/StaatundGeschlecht

Ringvorlesung „Technik und Geschlecht“

29 Okt

Wir möchten euch auf die Ringvorlesung „Technik und Geschlecht“ an der Hochschule Merseburg aufmerksam machen.

Nächste Termine:

  • 01.11.2016: Vortrag: „Physik queer denken“, mit Prof. Dr. Helene Götschel
  • 15.12.2016: Vortrag „Geschlecht und maschinelle Interaktion“, mit Dr. Waltraud Ernst
  • 17.01.2017: Vortrag „Mensch-Maschine-Konfigurationen: Ist autonomes Fahren die ´Entmannung des deutschen Autofahrers´?“, mit Dipl.-Inf. Göde Both

Beginn der Vorträge ist jeweils 16:30 Uhr im Theater am Campus (TAC).
Die Teilnahme an der Ringvorlesung bzw. an den Vorträgen ist kostenlos. Eine Anmeldung zur Ringvorlesung bzw. zu den einzelnen Vorträgen ist nicht erforderlich.

Die Ringvorlesung wird im Rahmen des Projektes FEMPOWER durchgeführt und ist für die Studierenden aller Fachbereiche sowie für alle Interessierten offen.
Studierende einiger Fachbereiche können bei der Veranstaltung Credit Points erhalten und sich für ihr Studium anrechnen lassen.

Weitere Informationen findet ihr unter diesem Link.

Lebenszeichen

24 Okt

Nach sehr, sehr langer Sommerpause melden wir uns mit kaltem Regenwetter und einer kleinen Veranstaltungsreihe von uns zurück bei euch. Insgesamt finden in diesem Wintersemester fünf Veranstaltungen statt. Eine Übersicht darüber gibt es hier.  Alle Termine finden (Achtung, das ist neu!) im HS XVIII im Melanchthonianum (Seminarraum, 1. Etage) statt.

In diesem Semester beschäftigen wir uns mit Gender und Flucht, wie Männlichkeit neu gedacht werden kann, welche Rolle das Verbrechen Vergewaltigung in unserer Gesellschaft spielt und in welchem Umfang das traditionelle Familienbild in unsere soziale Realität eingreift. Außerdem haben wir einen Vortrag parat, der an die Debatte um Arbeitsbedingungen in der Sexarbeit anknüpft.

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