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inhaltliche Ausrichtung Wintersemester 2008/2009

Die Vorlesungsreihe versteht sich selbst als eine, die sich im weitesten Sinne mit dem Terminus „queer“ auseinandersetzt. Entsprechend liegt dem thematischen Zuschnitt ein breites Verständnis von „queer“ zugrunde, das über den oft damit verbundenen Sinngehalt des „schwul-lesbischen“ hinausgeht und „queer“ als umfassenderen Begriff kennzeichnet.

Mit Perko (2005) kann er in einem pluralen Sinn als „politisch-strategischer Überbegriff für alle Menschen verwendet (werden), die der gesellschaftlich herrschenden Norm nicht ent-sprechen oder nicht entsprechen wollen… In diesem Sinne richten sich Queer-Theorien grundsätzlich gegen eindeutige Kategorisierungen und Identitätspolitiken“ (ebd.: 19) und hat damit als notwendige Grundlage die Forderung nach der Anerkennung, „dass sich alle Menschen definieren können, wie sie und so sie es wollen“ (ebd.: 20). Diese Vorstellung beruhen unter anderem auf den Arbeiten Butlers (1991, 1995), die queer als Begriff für Zugehörigkeit konzeptualisiert hat, der notwendigerweise unterbestimmt bleiben muss, da er das Repräsentierte niemals vollständig repräsentieren kann und somit immer ein „Mehr“ an Beschreibungsmöglichkeiten beinhaltet, als bisher angenommen. (vgl. Butler 2005: 316; Perko 2005: 20).

Queer greift damit in das bestehende Verständnis gesellschaftlicher Ordnungsvor-stellungen ein und ist bspw. auch in der Lage, produktiv mit Phänomenen, die die bestehende heterosexuelle Matrix in Frage stellen, umzugehen. Dabei geht es nicht um ein assimilierendes Verständnis sondern darum, gesellschaftliche Räume auch für bisher schwer denkbare Lebensentwürfe zu öffnen, indem identitätsnormierende Praktiken als solche entlarvt und kritisiert werden können. Es handelt sich, grosso modo gesehen, also um den Versuch, normierende und normalisierende Mechanismen als Formen der Gewalt zu begreifen, die jene Lebensformen in Frage stellen, die dem Zwang zur Normalität nicht entsprechen und/oder sich ihm nicht beugen.

Ausgehend von diesem Verständnis von queer lassen sich, zusammen mit dem weiter oben ausgeführten gesellschaftspolitischen Impetus, verschiedene thematische Blöcke finden, an denen sich die Vorlesungsreihe orientiert.

Zunächst ist eine Auftaktveranstaltung geplant, die sich mit einem der anderen program-matischen Elemente (Filmreihe, Ausstellung) verbinden lassen kann und die sich thematisch mit der diskursiven Herstellung von Normalität auseinandersetzen soll.

In einem ersten thematischen Block geht es um Politik: um die grundsätzliche Frage nach dem Konzept der Heteronormativität und dessen Implikationen für gesellschaftliche Ordnungsvorstellungen und -vollzüge, den Zusammenhang von Homophobie und Macht und um Erkundungen darüber, welche Implikationen beispielsweise das Konzept einer sexuellen Staatsbürgerschaft aufweisen kann.

Ein zweiter thematischer Bereich beschäftigt sich mit queeren Auseinandersetzungen im Feld der Pädagogik. Ein Thema bilden Ansätze, die unter dem Etikett der Intersektionalität firmieren, also versuchen, verschiedene Ungleichheitsrelationen nicht additiv zu verstehen sondern Ungleichheit generell als Problemfeld aufzugreifen und dabei unterschiedliche Formen der Ungleichheit zu berücksichtigen und dann – auch pädagogisch – zu bearbeiten. Auch hier stehen Fragen nach Normierung und Normalisierung mit als zentrale Kategorien zur Debatte. In einer zweiten Sequenz könnten Erkundungen in verschiedenen Bereichen der Aufklärungs- und Bildungsarbeit im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen um so auch der alltäglichen Arbeit mit als „queer“ zu verstehender pädagogischer Arbeit auf die Spur zu kommen.

Ein dritter Themenblock umspannt Fragen, die den Bereich der Kultur betreffen und so-mit den Bereich der „cultural studies“ direkt berühren. Hier können Themen diskutiert wer-den, die den Bereich „Gender“ leibhaftig machen: das Erleben des Körpers und alle mögliche Formen der Körpermodifikation als Ausdruck gesellschaftlichen und persönlichen Erlebens genauso wie das Erschließen gesellschaftlich noch kaum bewohnter Räume (bspw. durch die Dragkings und Dragqueens). Kulturell von Bedeutung ist auch die Frage, die unter dem Stichwort der „hegemonialen Männlichkeit“ firmiert. Nach wie vor scheint das, was als männlich gilt, gesellschaftlich höher bewertet zu werden, als das, was als weiblich gilt. Das Profitieren von der „männlichen Dividende“ (ebd.) beschreibt diesen Zustand. Welche Verbindungen, so könnte man beispielsweise fragen, welche Entwicklungen können sich ergeben, wenn man diese Vorstellung mit einer queeren Perspektive kontrastiert?

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