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Kommentar zum Titel der von uns beworbenen Ausstellung „ErSieEs – Spurensuche zwischen den Geschlechtern“

Que(e)r_einsteigen bewirbt seit einiger Zeit eine Fotografie-Ausstellung. Deren Titel „ErSieEs – Spurensuche zwischen den Geschlechtern“ provozierte eine Diskussion, zu der sich que(e)r_einsteigen bisher nicht geäußert hat. Dies wollen wir hiermit nachholen, da wir die kritischen Äußerungen, welche an uns herangetragen wurden, durchaus teilen. In der deutschen Sprache gibt es kein Pronomen, das die Binärität zwischen Mann und Frau auflöst. „Es“ ist dafür kein adäquates Wort. Dieses Pronomen bezeichnet vorrangig Gegenstände und seine Verwendung in Bezug auf Menschen degradiert diese auf herabwürdigende Weise zu einem „entsexualisierten Neutrum“. Zwar macht der Ausstellungstitel auch auf diese Schwierigkeit der deutschen Sprache aufmerksam, eine solche kritische Lesart ist aber nicht zwingend. Wir möchten nicht den Eindruck erwecken, dass wir mit der Bewerbung der Ausstellung die Auffassung vertreten, „es“ sei ein adäquates Pronomen für Personen. Menschen, die sich irgendwo auf dem Kontinum von Sex und Gender verorten wollen, empfinden die Verwendung in diesem Kontext zu Recht als Form sprachlicher Gewalt.
Wir begrüßen es jedoch trotz des fragwürdigen Titels, dass es diese Ausstellung gibt; durch das Medium Fotografie wird ein wichtiger Raum für das Konzept „queer“ erzeugt. Die Fotografien spiegeln einen Blick durch das Objektiv, einen Blick, welcher bis dato kaum mit queeren Themen in Berührung kam und dennoch wird es erreicht, dass die behutsamen und unaufdringlichen Aufnahmen dem_der Betrachter_in verwehren, die abgebildeten Personen als Mann oder Frau zu kategorisieren. Vor diesem Hintergrund sehen wir die Ausstellung und damit auch den naiv-wirkenden Titel als eine Chance, durch den veruneindeutlichenden Blickwinkel die Dichotomie der engmaschigen Geschlechtsvorstellungen aufzuweichen und „liquid genders“ nicht im mehrheitsgesellschaftlichen Diskurs verschwinden zu lassen. Wir verstehen als Anliegen der Ausstellung, genau auf diesen Aspekt hinzuweisen und nicht Geschlechtsidentitäten jenseits der binären Einteilung zu exotisieren oder zu diskriminieren. Einerseits sehen wir also die Notwendigkeit, über eine stärkere Sensibilisierung für den Sprachgebrauch (z.B. „er_sie“) auch die Sichtweisen auf die Welt zu vervielfältigen, andererseits macht aber die Benutzung des Pronomens „es“ dieses Problem für Menschen, die darauf noch nicht aufmerksam geworden sind, überhaupt erst einmal sichtbar. Wir laden euch dazu ein, euch mit uns darüber den Kopf zu zerbrechen!

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Ein Kommentar zu „Kommentar zum Titel der von uns beworbenen Ausstellung „ErSieEs – Spurensuche zwischen den Geschlechtern“

  1. was mir an der ausstellung noch auffiel war, dass sie tendentiell ein stereotyp von androgynität herstellt. dies ist naheliegend, da ein „dazwischen“ rasch auf diese hinausläuft. mir fehlte allerdings, soweit sich dies bewerkstelligen ließe, ein außerhalb bzw. eine weniger brave transgression geschlechtlicher kategorien, fern von etablierten tomboy/tomgirl symboliken.

    die kritik an den ausstellungstitel finde ich mehr als angebracht, mir selbst ist dies erst jetzt bewusst geworden, von daher danke für den input. überhaupt hätte eine sichtbarere theoretische reflektion der ausstellung gut getan, das war dann doch etwas wenig.

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