Aktion · Gegenaktion

Alte Feindbilder zu Gast in Halle/Leipzig

Ihr habt es möglicherweise schon mitbekommen: Am 23. November 2013 gibt es die zweite Compact-Konferenz, und zwar in Schkeuditz, zwischen Halle und Leipzig.

Compact ist ein seit Sommer 2011 monatlich erscheinendes Magazin, das seinen Redaktionssitz in Leipzig hat und mit zumeist rechtspopulistischen, mitunter verschwörungstheoretischen Artikel zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aufwartet. Einen guten Einblick in die tendenziöse Argumentationsführung und den reißerischen Stil liefert das Editorial zur Ausgabe vom September 2013. Dass das Motto des Blattes „Mut zur Wahrheit!“ auch Wahlkampf-Motto der Partei Alternative für Deutschland ist, dürfte wohl kaum Zufall sein. Beide eint die Strategie, sich selbst den Nimbus der letzten Wahrheitssuchenden und Rettern in der Not zu verleihen:

 „[…] weil wir drucken und verbreiten, was andere nicht zu schreiben wagen. Ein paar Beispiele: Deutschland ist immer noch ein besetztes Land. Wir Nachgeborenen sind nicht schuld an den Nazi-Verbrechen. Unser Volk ist nicht besser, aber auch nicht schlechter als andere Völker. Die USA und Israel sind die größten Gefährder des Weltfriedens. Der Euro ist die Abrissbirne für Europa. Weitere Zuwanderung ist nicht verkraftbar.“

Die mediale Reichweite der Konferenz ist schlecht einzuschätzen: Zwar hat das Blatt ‚nur’ 50.000 Leser_innen (von denen sich einige bizarrerweise auf der Homepage beschweren, dass ihnen der Zugang zur Konferenz erschwert wäre, weil die Eintrittsgelder so hoch seien), doch wirbt die Veranstaltung mit ihrer Prominenz – neben Thilo Sarrazin werden auch Eva Hermann und Peter Scholl-Latour zu Gast sein und auf der Seite als „die Großen Drei der deutschen Debattenkultur“ ausgerufen.

Die Tagung, die sich selbst als „Konferenz für Souveränität“ versteht, findet unter dem suggestiven Titel „Werden Europas Völker abgeschafft? Familienfeindlichkeit, Geburtenabsturz und sexuelle Umerziehung“ statt. Darunter versammelt sind weniger sachliche, wissenschaftliche Auseinandersetzungen, als vielmehr Thesen – in dieser Konferenz v.a. zu den Themen Homosexualität, Frauenemanzipation und Kindererziehung –, die mit verkürzten, aber medial wirksamen Argumenten untermauert werden und vornehmlich dem Bedienen von althergebrachten Feindbildern dienen. Die Redner_innenbeiträge versprechen ein durchgängiges Contra, Pro-Positionen vertretende Verbände oder Intellektuelle sind nicht vorgesehen. Ein Blick ins Programm:

„Die Publizistin Béatrice Bourges berichtet über den Volkswiderstand gegen die Schwulenehe in Frankreich, Abgeordnete der russischen Duma stellen die Erfolge von Wladimir Putins Familienpolitik dar.“ [!]

Leicht konspirativ mutet auch der Rahmen der Konferenz an: Zwar tönt das Werbebanner auf der Homepage „in Leipzig“, tatsächlich jedoch findet die Konferenz in Schkeuditz (in der Nähe der S-Bahn-Haltestelle Schkeuditz-West) statt.

In Leipzig formieren sich bereits Gegenaktionen; so wird es parallel zur Konferenz eine Demonstration geben unter dem Slogan „Leipzig – souverän genug für Vielfalt“. Zur Demo kommt ihr hier.

(Stand: 16.09.2013).

Seriöse Gegenstimmen, die sich mit der Konferenz und ihrem rechtspopulistischen Hintergrund auseinander setzen, findet ihr hier:

SZ-Artikel vom 06.09.2013 zur Konferenz und ihrem Programm

Handelsblatt-Artikel vom 06.09.2013 zu den parteipolitischen Verwobenheiten von Referierenden und Unterstützenden der Konferenz

Artikel von „Endstation Rechts“ vom 25.04.2011 zum neu gegründeten Compact-Magazin und seiner politischen Verortung

(Stand: 16.09.2013).

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2 Kommentare zu „Alte Feindbilder zu Gast in Halle/Leipzig

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