Veranstaltungshinweise

Call for Papers: Klausurwoche „Ethische, juristische und soziale Aspekte der sexuellen Identität am Beispiel von Intersexualität und Transsexualität“

Veranstalter: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Dr. Maximilian Schochow und Prof. Dr. Florian Steger
Datum, Ort: 23.06.2014–29.06.2014, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Magdeburger Straße 8, 06112 Halle (Saale)
Deadline: 31.01.2014

Das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin sucht Teilnehmer_innen für eine Klausurwoche rund um Intersexualität und Trassexualität:
„Mit der Stellungnahme des Deutschen Ethikrats zur Situation intersexueller Menschen in Deutschland (2012) wurde ein notwendiger Problemaufriss zur Situation Intersexueller in Deutschland unternommen. Gleichzeitig wurden Empfehlungen für die medizinische Behandlung sowie zu Fragen des Personenstandsrechts gegeben. Im Zusammenhang der Stellungnahme wurden sowohl eine Vielzahl von Problemen und Eindrücken aus dem Leben intersexueller Menschen in die Öffentlichkeit gerückt als auch erste Antworten auf Fragen zu geschlechtsangleichenden Eingriffen oder zum Ausbau von Peer-to-Peer-Beratungen formuliert. Die Stellungnahme schließt jedoch explizit Fragen zur Situation transsexueller Menschen in Deutschland aus. Mit dieser Trennung wurde der Dialog zwischen intersexuellen und transsexuellen Menschen nicht befördert. Unbearbeitet blieben darüber hinaus die drängenden ethischen, rechtlichen und sozialen Fragen, die im Zusammenhang mit Transsexualität auftreten.
Die BMBF-Klausurwoche „Ethische, juristische und soziale Aspekte der sexuellen Identität am Beispiel von Intersexualität und Transsexualität“ schließt an aktuelle Debatten zur Situation intersexueller Menschen an und erweitert die Diskussion um Fragen zum ethischen, rechtlichen und sozialen Umgang mit transsexuellen Menschen in Deutschland. Am Beispiel von Intersexualität und Transsexualität soll in einem interdisziplinären Arbeitszusammenhang intensiv und themenbezogen über Fragestellungen zur sexuellen Identität diskutiert werden. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten sollen die Unterschiede zwischen Intersexualität und Transsexualität herausgearbeitet sowie die Schnittmengen beider Formen von sexueller Identität bestimmt werden. Dabei stehen ethische, juristische und soziale Aspekte im Zentrum der Klausurwoche. Beiträge aus folgenden Themenbereichen sind möglich:
(1) Geschlechtsangleichende Operationen: Chirurgische Interventionen werden sowohl bei intersexuellen als auch bei transsexuellen Menschen durchgeführt. Während intersexuelle Menschen bereits im frühkindlichen Alter operiert werden, finden diese Eingriffe an transsexuellen Menschen frühestens mit dem Erreichen der Volljährigkeit statt. Dabei stehen Grundrechtsfragen intersexueller Menschen auf körperliche Unversehrtheit und das Recht auf Selbstbestimmung transsexueller Menschen zur Diskussion.
(2) Begleittherapien: Sowohl intersexuelle als auch transsexuelle Menschen sind mit Begleittherapien konfrontiert. Zur Geschlechtsangleichung werden zum Beispiel hormonelle Pharmazeutika eingesetzt, Operationen zur Stimmanpassung und Psychotherapien durchgeführt. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass eine geschlechtsangleichende Operation an die Diagnose „Transsexualität“ gebunden sein muss. In diesem Kontext stehen u.a. medizinethische Fragen zur Selbstbestimmung intersexueller und transsexueller Menschen sowie nach den Möglichkeiten und Grenzen medizinischer Begleittherapien im Vordergrund.
(3) Rechtliche Stellung: In welche Richtung weisen die Novellierungen des Transsexuellengesetzes (TSG) und wie sind sie vor den aktuellen Debatten zu bewerten? Welche rechtliche Stellung innerhalb der Gesellschaft wird intersexuellen Menschen gewährt – beispielsweise durch die Einführung eines dritten Geschlechts?
(4) Binnenverhältnis: Während sich intersexuelle Menschen häufig gegen geschlechtsangleichende Interventionen zur Wehr setzen, können solche Behandlungsformen für viele Transsexuelle die Möglichkeit bieten, das biologische Geschlecht dem psychischen anzugleichen. Zu fragen wäre, wie mit diesen unterschiedlichen Situationen medizinethisch und medizinrechtlich umzugehen ist. Welche Folgen ergeben sich aus diesen beiden Positionen für das Verständnis von Geschlechtlichkeit?

Diese Themen dienen als Anregungen und erste Orientierung. Darüber hinaus sind Vorschläge aus weiteren Themenfeldern erwünscht.
Die BMBF-Klausurwoche wird vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ausgerichtet. Sie ist interdisziplinär angelegt und richtet sich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus den Bereichen der Humanmedizin, den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie den Naturwissenschaften. In themenspezifischen Sektionen haben die Teilnehmenden die Gelegenheit eigene Forschungsvorhaben aus dem Themenbereich der Klausurwoche zu präsentieren und intensiv zu diskutieren. Die Präsentationen der Teilnehmenden und die Diskussionen im Rahmen der Klausurwoche werden ergänzt durch Fachvorträge von einschlägigen Expertinnen und Experten.
Bewerbungen für die BMBF-Klausurwoche (Abstract von maximal 500 Wörtern zum Inhalt der geplanten Präsentation und CV) schicken Sie bitte bis zum 31.01.2014 ausschließlich in elektronischer Form (PDF) per E-Mail an die Projektmitarbeiterin Saskia Gehrmann: saskia.gehrmann@medizin.uni-halle.de. Für Rückfragen wenden Sie sich bitte ebenfalls an Saskia Gehrmann.
Die Anzahl der Teilnehmerplätze ist auf 15 begrenzt. Die Konferenzsprache ist deutsch. Die Beiträge sollen nach der BMBF-Klausurwoche in einem Sammelband publiziert werden. Neben einer einmaligen Aufwandsentschädigung in Höhe von 300 € werden die Reise- und Übernachtungskosten übernommen.“

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