Jenny Künkel: Die Verhandlung von Arbeitsbedingungen im Sexgewerbe

Die Verhandlung von Arbeitsbedingungen im Sexgewerbe – zur Durchsetzung eines straf- und ordnungsrechtlichen Fokus in der deutschen Prostitutionsdebatte

Der Vortrag kombiniert Erkenntnisse materialistischer Arbeitssoziologie und Diskursanalyse, und analysiert, wie Arbeitsbedingungen im Sexgewerbe im Vorfeld der Einführung des neo-regulationistischen Prostiuiertenschutzgesetzes verhandelt wurden. Der Beitrag umreißt zunächst Verschiebungen in der Debatte seit Einführung des Prostitutionsgesetzes von 2002 und beschreibt treibende Kräfte des Prozesses. Anschließend problematisiert er Leerstellen und Tabus auf beiden Seiten der Abolitionismus-/Sexarbeits- Debatte. Er zeigt wie eine Anti-Prostitutionslobby mit Anklängen an strukturelle Erklärungen („Armutsprostitution“) gezielt um linke Unterstützer*innen warb. Doch vorgeschlagene Lösungen verblieben gänzlich innerhalb der liberalen Logiken von Straf-, und Ordnungsrecht. Die frühe abolitionistische Intervention prägte die Debatte ebenso wie alte Spaltungen zwischen Pro- und Anti-Sexarbeitsaktivist*innen, mit dem Effekt individualisierender Argumente in allen Lagern. Der Vortrag problematisiert in einer solidarischen Kritik, wie Sexarbeitsbewegungen abolitinistische Diskurse stellenweise spiegeln – gegenwärtig mit einem zeitlichen Jetlag. In die Defensive gedrängt, adressieren sie eher die vereinfachenden Gleichsetzungen von Sexarbeit mit Gewalt, während die Effekte repressiver Migrationsregime sowie des Rückbaus sozialstaatlicher Leistungen und Arbeitsrechte noch stärker Eingang in die Argumentation finden könnten.

Jenny Künkel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bauhaus-Universität Weimar und betreibt den Blog sexcrimecity.wordpress.com.

Hinweis:

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die durch beleidigende, sexistische, rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung treten, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen. Gleiches gilt für Personen, die der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch derartiges Verhalten in Erscheinung getreten sind.

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