Ansatz und Motivation

Idee

Ansatz und Motivation

Queere Ansätze entwickelten sich in den USA zu Beginn der 1990er Jahre und können zu den so genannten dekonstruktivistischen Ansätzen gezählt werden. Queer Studies haben sich in den letzten Jahren mit großer Geschwindigkeit im wissenschaftlichen Kontext verbreitet, sind aber bisher in Deutschland kaum dauerhaft institutionell in akademischen Räumen verortet.

Dekonstruktivistische Ansätze, zu denen auch die Queer Theory gezählt werden kann, schließen an das poststrukturalistische Theoriefeld an. Durch eine kritische Analyse gesellschaftlicher Identitätskategorien wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, Ethnizität, Behinderung etc. stellen sie soziale Macht- und Ungleichverhältnisse, die sie mit diesen Kategorien als zusammenhängend begreifen, in Frage und kennzeichnen sie als veränderungsnotwendige Problemfelder. Diesem Verständnis folgend entwickeln sie theoretische und praktische Zugänge in unterschiedlichen disziplinären Bereichen und machen so ihre Kritik an der Idee der „fundamentalen Wahrheiten“ für unterschiedliche Handlungsfelder fruchtbar.

Es wird deutlich, dass die Theoriebildung in diesem Fall über die Herstellung akademischen Wissens hinauszugehen sucht. Die Queer Studies verfolgen – ebenso wie z.B. die Gender Studies, die Critical Whiteness Studies und die Disability Studies – mit ihrer Arbeit auch eindeutige politische Ziele, indem sie eine Veränderung vorhandener Macht- und Ungleichheitsverhältnisse anstreben.

Forschung und Lehre aus den Themenbereichen „Queer“ und „Gender“ sind an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg nur vereinzelt vertreten. Verschiedene Fakultäten bzw. Institute bieten – mehr oder weniger sporadisch – vereinzelt Lehrveranstaltungen an, die in keinem gemeinsamen oder zusammenhängenden Kontext stehen. Lediglich ein Lehrstuhl am Institut für Erziehungswissenschaften hat auch eine Widmung für die Thematik „Frauen- und Geschlechterforschung“, welcher einmal pro Jahr eine dieser Widmung entsprechend thematisch orientierte Tagung veranstaltet.

Insgesamt mangelt es also zum einen an einer institutionellen Vernetzung der Lehrangebote, zum anderen an einem verbindenden Forschungskontext, der interessierten Studierenden und Forschenden die Möglichkeit zu systematischer Arbeit geben würde. Ein weiteres Problem besteht darin, dass der Lehrstuhl für soziologische Theorie und soziale Ungleichheit am Institut für Soziologie, der einzige, der sich auch genuin theoretisch mit den o.g. Themenbereichen auseinandersetzt, seit zwei Jahren vakant ist.

Das Interesse an der Thematik hingegen ist als groß zu bezeichnen. Werden entsprechende Lehrveranstaltungen angeboten, sind diese nicht nur sehr gut besucht sondern in der Regel auch von Hörer_innen unterschiedlicher Disziplinen frequentiert, die sowohl aus den Reihen der Studierendenschaft als auch dem Bereich der Nachwuchswissenschaftler_innen der Universität kommen. Gleichzeitig zeigt sich, dass entsprechende Angebote, die an Universitäten der Umgebung stattfinden (beispielsweise die von PoWI+ und FRaGEs initiierten Ringvorlesungen an der Universität Leipzig), ebenfalls von Angehörigen der hiesigen Universität genutzt werden. Auch hier wird der Bedarf nach einem erweiterten und vernetzten Angebot deutlich.

Mit einer entsprechend konzipierten Vorlesungsreihe, die in Halle stattfindet, können also mehrere Bedürfnisse, die sich abzeichnen, erfüllt werden: zum einen ist es möglich, ein interdisziplinär aufgestelltes und an aktuellen Forschungsergebnissen orientiertes Programm zu organisieren, das die Vielfalt von Queer in Bezug auf Theoriebildung und Praxisfelder reflektieren kann. Damit ist es möglich, Interessierte unterschiedlicher thematischer Herkunft anzusprechen. Gleichzeitig werden durch die Aktivitäten, die zu der Vorlesungsreihe veranstaltet werden, weitere Facetten queerer Ansätze verdeutlicht. Alle Formate bieten Raum für gemeinsamen inhaltlichen Austausch und Begegnung. So kann es möglich werden, die bisher versprengten Tätigkeiten zu bündeln und mittelfristig an der Universität Halle eine institutionelle Anbindung der Thematik zu etablieren.

Inhaltliche Ausrichtung
Format
Über die Organisator_innen

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