Kalina Yovcheva: Die Anderen – von der Abgrenzung vom Tier zur Abwertung von Menschen

Zeit: Donnerstag, 29.01.2015 s.t.

Ort: Hörsaal XXIII im Audimax, Universitätsplatz 1, 06108 Halle (Saale)

Abstract:

Dass der Speziesismus – die durch die Artzugehörigkeit legitimierte Abwertung, Ausbeutung und Vernichtung von Tieren – die argumentative Grundlage für die Dehumanisierung diskriminierter Menschengruppen bildet, ist die wohl am kontroversesten diskutierte und am häufigsten missverstandene Hauptthese der Tierrechtsbewegung. Der Vortrag prüft ihre Gültigkeit anhand des Forschungsfeldes gruppenbezogenet Vorurteile, einer der sichtbarsten Ausdrücke bestehender Machtverhältnisse und ein Kernelement rechtspopulistischer Propaganda.

Wichtig ist ihre Erforschung im Kontext: Menschenverachtende Ideologien richten sich in der Regel nicht gegen einzelne Gruppen, sondern basieren auf einem Konglomerat aus Feindbildern, die einander überlagern, ergänzen und nuancieren. Verschiedene Diskriminierungsmerkmale werden mit ähnlichen Minderwertigkeits- und Degenerationsvorstellungen behaftet. Kategorien, die als Diskriminierungsmerkmale dienen, können einander auf mehreren Ebenen beeinflussen. Aufgrund des Vorhandenseins eines Merkmals werden andere vermutet. Ganze Stereotypenbündel werden von einer diskriminierten Gruppe auf andere übertragen – bei zahlenmäßigen Überschneidungen, aber auch ohne jeglichen kausalen Zusammenhang zwischen ihnen. In rechtsextremistischen Verschwörungstheorien führen beliebige Minderheiten die Pläne anderer Minderheiten aus. Hinter alledem steckt auch zwangsläufig ein sexistisches Frauenbild.

Die interdisziplinäre Vorurteilsforschung konzentriert sich hauptsächlich auf die Funktionen, sozialen Dynamiken und Folgen gruppenbezogener Vorurteile. Ihre Inhalte und die damit verbundenen Vorstellungen von Wert und Unwert werden seltener in Bezug auf einzelne Gruppen und einzelne Themenkomplexe in Frage gestellt. Der Vortrag versucht, an den Beispielen von Sexismus, Rassismus, Antisemistismus, Klassismus, Gewichtsdiskriminierung, Ableismus und der Diskriminierung von LGBTTIQs die Inhalte gruppenbezogener Vorurteile zu systematisieren und zu begründen, warum ihre Grundlage immer der Mensch/Tier-, bzw. Natur/Kultur-Dualismus ist. Aber auch, warum die Diskriminierung jeder beliebigen Gruppe alle betrifft.

Zur Person:

Kalina Yovcheva ist Kulturwissenschaftlerin.

Hinweis:

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die durch beleidigende, sexistische, rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung treten, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen. Gleiches gilt für Personen, die der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder die sind oder bereits in der Vergangenheit durch derartiges Verhalten in Erscheinung getreten sind.

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2 Kommentare zu „Kalina Yovcheva: Die Anderen – von der Abgrenzung vom Tier zur Abwertung von Menschen

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