Dr. Helga Laugsch: Matriarchat und Feminismus – ein ambivalentes Verhältnis

05.11.2015, 19:00, Audimax HS XXIII

Seit der „Findung“ des „Mutterrechts“ durch den Schweizer Juristen J.J. Bachofen 1861 haben sich viele Wissenschaftsdisziplinen und ideologische Richtungen aus männlicher Perspektive, die sich aber als neutral sah, mit dem Komplex einer von Frauen geprägten Gesellschaftsform beschäftigt, oft widersprüchlich und unseriös, mit einem konservativ gefärbten Geschlechter- und Gesellschaftsbild.

Was geschah, als Frauen aktive Teilnahme in den Wissenschaften und Medien möglich war? Wie (be)handeln die Feministinnen der Ersten Frauenbewegung (ab den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts) und der Zweiten (ab 1968) „Matriarchat“, das sich als Bezeichnung im 20. Jahrhundert durchgesetzt hat? Und: Steht eine Geschlechterideologie (Gleichheit/Verschiedenheit) in Verbindung mit Annahme oder Ablehnung von Matriarchat?

Dieser Vortrag kann und will nicht die Gretchenfrage (historische Existenz/Beweisbarkeit) stellen/beantworten, sondern klären: hinsichtlich des Definitionswirrwarrs, der wissenschaftlichen Positionen und Interessen, der Vorgehensweisen und Ziele, v.a. des zugrunde liegenden Geschlechterbildes – als einem zentralen Diskurs der Zweiten Frauenbewegung im westlichen Deutschland, als sozusagen historische Aufarbeitung. Anschließend können wir gemeinsam über möglichen Sinn und Wert von Matriarchat in einer „queeren“ Theorie nachdenken: Ich freue mich auf eine rege Diskussion.

Zur Person:
Helga Laugsch studierte an der LMU München Philosophie, Theaterwissenschaften und Neuere Deutsche Literatur; Promotion 1995 über den Matriarchats-Diskurs. Zahlreiche wissenschaftliche, belletristische und publizistische Veröffentlichungen. http://www.helgalaugsch.de

Zum Weiterlesen:
– Laugsch, Helga (2011): Der Matriarchats-Diskurs (in) der Zweiten Deutschen Frauenbewegung. München: Herbert Utz Verlag Wissenschaft
– Giese, Cornelia (1990): Gleichheit und Differenz. München: Verlag Frauenoffensive
– Schäfer, Martina (2001): Die Wolfsfrau im Schafspelz – autoritäre Strukturen in der Frauenbewegung. Kreuzlingen/München: Hugendubel
– Werlhof, Claudia von (2003): Die Diskriminierung der Matriarchatsforschung. Bern: Ed. Amalia

– Literaturliste des Vortrags: Literatur Laugsch. Matriarchatstheorien