Veranstaltungshinweise

Zwei Veransaltungstipps zum Thema Intersex

In Kürze gibt es in Halle zwei spannende Veranstaltungen zum Thema Intersexualität im VL Ludwigstraße. Zum einen am 21.06.2012 um 20Uhr eine Buchvorstellung mit Vortrag zu „Kein Geschlecht oder viele. Warum es biologisch Frau und Mann nicht gibt.“ mit Heinz-Jürgen Voß.

Zum anderen gibt es am 12.07.2012 um  20 Uhr eine Filmvorführung von „Die Katze wäre eher ein Vogel“ (Melanie Jilg | 55 min.) und im Anschluss einen Vortrag von Heinz-Jürgen Voß zum Thema „Intersex – nach der Stellungnahme des Deutschen Ethikrates „Intersexualität“ ist weiteres Streiten notwendig“.

Weitere Infos findet ihr hier.

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Vortrag

Körper, DNA, Herkunft: Die Konstruktion von Rasse und Ethnizität in neuen populationsgenetischen Verfahren

13.01.2011, 19 Uhr, Melanchthonianum, Hörsaal XX, Uniplatz 8/9, Halle

Dr. Katharina Schramm

Nachdem in Biologie und Politik lange Zeit von der genetischen Einheit der Menschheit die Rede war, lässt sich seit der Entschlüsselung des Genoms 2000 eine zunehmende Faszination mit Differenz konstatieren. Dabei wird einerseits das Individuum in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, andererseits wird auf dessen genetische Gruppenzugehörigkeit verwiesen. Hier erfahren biologische Konzeptionen von ‚Rasse‘ und ‚Ethnizität‘ eine ungeahnte Renaissance, die ich im Rahmen meines Vortrages anhand der populären Praxis des Genetic Ancestry Testing kritisch diskutieren möchte.

Besonders signifikant ist dieses Verfahren im Diaspora-Kontext, wenn hohes emotionales Gewicht auf eine ursprüngliche Herkunft oder Heimatbindung gelegt wird, oftmals aber Unwissen oder Unsicherheit darüber herrschen. Der Herkunftstest verspricht hier genauere Informationen; es handelt sich um eine Art Identitäts-Versicherung auf molekularem Niveau. Der Versuch, symbolische in biologische Verwandtschaft umzuwandeln bzw. eine symbolische Verbindung biologisch zu begründen, wie er im Genetic Ancestry Testing zum Ausdruck kommt, kann nicht isoliert betrachtet werden, sondern ist auf vielfältige Weise in weiter reichende (und historisch gewachsene) Identitätskonstruktionen eingebunden. So basierte die Definition von ‚Rasse‘ und ‚Ethnizität‘ stets auf einem Konglomerat biologischer, politischer und historischer Zuschreibungen. Dennoch markiert die Substanzialisierung von Beziehungen auf genetischem Niveau, wie sie im Ancestry Testing zum Ausdruck kommt, eine qualitative Differenz zu bisherigen Entwicklungen, da sie Biologie in Verbindung mit Technologie zum Fundament kultureller Identität erklärt und die Naturwissenschaft zum Garanten sozialer Beziehungen erklärt. Diesen Zusammenhang gilt es folglich näher auszuloten.

Weitere Informationen zu Katharina Schramm sowie ausgewählten Veröffentlichungen findet ihr unter Terminplan.

Download (42 min;38,2 MB)

Vortrag

Biologisches Geschlecht ist gemacht – und das in vielfältigen Ausformungen

21.10.2010, 19.00 Uhr, Melanchthonianum, Hörsaal XX, Uniplatz 8/9, Halle

Dr. Heinz-Jürgen Voß

Biologisches Geschlecht ist gesellschaftlich hergestellt. Menschen werden in Gesellschaft hineingeboren und lernen in ihr; ihr Denk- und Sagbares ist damit durch Gesellschaft (u.a. Sprache) beschränkt. Das gilt auch für die Rede über „biologisches Geschlecht“.

Die Annahme ist zu verwerfen, dass „biologisches Geschlecht“ außerhalb von Gesellschaft betrachtbar wäre. Auch bzgl. „biologischen Geschlechts“ geht es um Theorien – und diese wandeln sich, u.a. nach gesellschaftlichen Erfordernissen. Das wird in diesem Input deutlich und soll zur Diskussion anregen: Unterschiedliche Theorien über „biologisches Geschlecht“ werden vorgestellt (historisch und aktuell). Deutlich wird, dass nicht nur Argumente der Differenz, sondern auch der Gleichheit zweier Geschlechter in diesen prominent vertreten waren und sind. Sichtbar wird auch, dass Auseinandersetzungen stattfanden und stattfinden, dass also zu keiner Zeit nur eine Sichtweise verbreitet war, sondern Vertreter (später auch Vertreterinnen) verschiedener biologisch-medizinischer Geschlechtertheorien miteinander diskutierten.

Herausgestellt wird für aktuelle biologisch-medizinische Geschlechtertheorien, dass diese zunehmend zu dem Ergebnis gelangen, dass sich als geschlechtlich betrachtete Merkmale individuell (und im Vergleich verschiedener Menschen: vielgestaltig) ausprägen. So werden mittlerweile biologisch viele Geschlechter denkbar, statt nur zwei oder drei.

Weitere Informationen zu Heinz-Jürgen Voß sowie ausgewählten Veröffentlichungen findet ihr unter Terminplan.

Download (63:53 min, 58,4 MB)