Veranstaltungshinweise

Veranstaltungstipp: Familie – Normalitätskonstruktionen und gesellschaftliche Anforderungen

Am 05.07. um 19 Uhr spricht que(e)r_einsteigen-Mitorganisator_in Stefanie Krüger in der Frauenkultur Leipzig in der Reihe ‚Women in Science – Empowerment now!‘ zum Thema „Familie – Normalitätskonstruktionen und gesellschaftliche Anforderungen“. Diesen Vortrag möchten wir euch selbstverständlich sehr ans Herz legen.

„In Deutschland bekommen die Falschen die Kinder. Es ist falsch, dass in diesem Land nur die sozial Schwachen die Kinder kriegen.“ Mit dieser Äußerung des heutigen Gesundheitsministers und damaligen FDP-Vorstandsmitglied Daniel Bahr begann im Jahr 2005 eine breite gesellschaftliche Debatte um Geburtenquote und -verhalten unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen. Beklagt wurde die angeblich zu geringe Kinderzahl von Akademikerinnen genauso wie das daraus geschlussfolgerte schlechte Abschneiden der Bundesrepublik bei den PISA-Studien. Mit dem Elterngeld folgte zwei Jahre später ein bevölkerungspolitisches Instrument, welches das Erziehungsgeld durch eine einkommensabhängige Leistung ersetzte und damit die Geburt eines Kindes je nach Verdienst der Eltern unterschiedlich hoch vergütet.
An Hand ausgewählter Pressemitteilungen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Stellungnahmen der jeweiligen Bundesregierung zu den letzten drei Familienberichten soll herausgearbeitet werden, welche Normalitätskonstruktionen von Familie existieren und mit welchen gesellschaftspolitischen Ansprüchen diese verbunden sind. Dazu werden Konzepte zu „Diskurs“, „Bio-Politik“ und „Normalismus“ diskutiert und zentrale Ergebnisse der Analyse vorgestellt.
STEFANIE KRÜGER hat Diplomerziehungswissenschaft / Schwerpunkt Sozialpädagogik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg studiert und ihre Diplomarbeit zu obigem Thema verfasst. Seit mehreren Jahren ist sie aktiv in einer studentischen Initiative zu queer theory aktiv. Kooperationsveranstaltung der Frauenkultur und des Referats für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik des Stura der Uni Leipzig // Eintritt: 3,- / 1,50 Euro (ermäßigt)

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Vortrag

Deviante Körper

17.03.2011, 19 Uhr, Radio Corax, Unterberg 11, Halle/Saale

Ira Schumann/Klemens Ketelhut

In einem ersten Schritt soll es um die Frage gehen, warum manche Körper als deviant, als nicht normal eingestuft werden und wie solche Einstufen mit dem Erhalt sozialer Ordnung zusammenhängen könnten. Nach diesem allgemeinen Teil wird spezieller der „behinderte“ Körper und seine stabilisierende Funktion für die Idee von Nichtbehinderung, von Unversehrtheit in den Blick genommen.

Weitere Informationen zu Ira Schumann und Klemens Ketelhut findet ihr unter Terminplan.

Vortrag

VerQueert Denken – Normalität(en) hinterfragen

Prof. Dr. María do Mar Castro Varela
22.Okt.2009, 19.00 Uhr, Melanchthonianum, Hörsaal XX, Uniplatz 8/9, Halle

„Der Begriff heterosexuelle Matrix steht […] für das Raster der kulturellen Intelligibilität, durch das die Körper, Geschlechtsidentitäten und Begehren naturalisiert werden. […] Es geht darum, ein hegemoniales diskursives/epistemisches Modell der Geschlechter-Intelligibilität zu charakterisieren, das folgend unterstellt: Damit die Körper eine Einheit bilden und sinnvoll sind, muß es ein festes Geschlecht geben, das durch die zwanghafte Praxis der Heterosexualität gegensätzlich und hierarchisch definiert ist“. [Judith Butler]

Was ist eine „heterosexuelle Matrix“? Was ein „Raster der kulturellen Intelligibilität“? Queer Studies sind voraussetzungsvoll. Gleichzeitig stellen sie eine Perspektive dar, die nicht nur das Denken schult, sondern dasselbe eben nötigt anders zu denken.
Seit den 1990er Jahren etablierten sich Queer Studies nach und nach in der anglophonen Hochschullandschaft und auch im deutschsprachigen Raum sind sie nicht mehr aus den Gender Studies wegzudenken. Im Vortrag sollen einige der Herausforderungen queeren Denkens vorgestellt und darüber hinaus Queering als permanent-kritischer Prozess dargelegt und zur Diskussion gestellt werden. Ein Fokus wird dabei auf die Verbindung zur Postkolonialen Theorie gelegt. Womit deutlich gemacht werden soll, inwieweit Sexualitätsdiskurse internationale Macht- und Herrschaftssysteme (etwa Imperialismus aber auch Migrationsregimes) etablieren halfen und bis heute stabilisieren. Und warum Rassismus und heteronormative Reproduktivität aufs engste miteinander verlinkt sind.

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Normalabweichungen. Warum es normal ist, dass es Abweichungen von der Norm gibt.

Prof. Dr. Ulrich Bröckling, Leipzig
23.Okt.2008, 19.30 Uhr, Audimax, Hörsaal XXIII, Uniplatz 1, Halle

Soziale Normen reglementieren, indem sie festlegen, was Menschen tun und lassen sollen. Statistisch erfasste Normalitäten geben an, was Menschen tatsächlich tun und lassen. Soziale Normen schaffen Erwartbarkeit durch Regeln, die alle kennen und anerkennen (auch wenn sie sie im Einzelfall brechen); Normalität schafft Erwartbarkeit durch Orientierung an Häufigkeitsverteilungen. Beide produzieren diskursiv Wirklichkeiten und Identitäten. Mit der zunehmenden Verdatung der Gesellschaften, abzulesen an den inflationären Meinungsumfragen, psychologischen Tests, Evaluationen usw., gewinnt die Orientierung am statistisch Normalen ein immer größeres Gewicht. Normalität wird selbst zu einer sozialen Norm zweiter Ordnung. Wir leben im Zeitalter des Normalismus. Weil alle wissen, was in einem bestimmten Bereich als normal gilt, versuchen alle ihr Verhalten danach auszurichten. Umgekehrt ist Denormalisierungsangst, die Sorge aus der Zone der Normalität herauszufallen, vielleicht die Grundangst der Moderne. Oder hat sich das Verhältnis heute umgekehrt: Ist die Abweichung von der Normalität inzwischen selbst zur sozialen Norm geworden? Ist „Otto Normalabweicher“ (Jürgen Kaube) die Leitfigur der Gegenwart?