Vortrag

Am 01.11. beginnt unsere Vorlesungsreihe!

Am kommenden Donnerstag beginnt unsere Vorlesungsreihe für dieses Wintersemester mit einem Einführungsvortrag zu ‚Queer‘ von Klemens Ketelhut, der einst diese Vorlesungsreihe mitbegründete. Wir freuen uns riesig, mit euch 5 Jahre que(e)r_einsteigen feiern zu können und hoffen auf euer zahlreiches Erscheinen!

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Vortrag

Terminplan zur Vorlesungsreihe im WS 2012_13

Wir freuen uns, euch den vollständigen Terminplan inclusive Abstracts zur kommenden Vorlesungsreihe präsentieren zu können und freuen uns auf euer zahlreiches Erscheinen.

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Dr. Tove Soiland: Warum sich gesellschaftliche Verhältnisse nicht dekonstruieren lassen: Eine an Marx und Foucault orientierte Kritik an queer

25.01.2011, 19 Uhr, Hörsaal XXII, Audimax, Uniplatz 1, Halle

Geschlechterverhältnisse lassen sich ebenso wenig dekonstruieren wie Produktionsverhältnisse. Mit dieser These tritt der Vortrag einer allzu simplen Vorstellung von der politischen Veränderbarkeit gesellschaftlicher Verhältnisse entgegen, wie sie sich im Umfeld der US-amerikanischen Cultural Studies entwickelt hat, in deren Tradition auch die Queer-Theorie steht. In einem lediglich vermeintlichen Rekurs auf den französischen Poststrukturalismus erscheinen gesellschaftliche Verhältnisse hier als primär durch Bedeutung konstituiert und darum auch auf der Ebene der Bedeutung verschiebbar. Produktionsverhältnisse und die dazugehörigen Subjektivierungsweisen, so wird der Vortrag argumentieren, lassen sich aber als Bedeutungsfestschreibungen nicht nur nicht beschreiben. Im Rahmen dieser kulturalistischen Umdeutung des historischen Materialismus kann auch nicht mehr verstanden werden, dass das – aus dieser Perspektive subversiv erscheinende – Instabilwerden von Identitäten zu den veränderten Produktionsbedingungen des spätkapitalistischen Akkumulationsregimes gehört. Dieser „kultureller Materialismus“ wird deshalb weder Marx Kritik der politischen Ökonomie noch Foucaults Spätwerk, das als Adaption des Marxismus für spätkapitalistische Gesellschaften gelesen werden kann, gerecht, sondern vergibt vielmehr deren gesellschaftskritisches Potential.

Mehr Infos zu Tove Soiland findet ihr hier.

Achtung: Der Vortrag findet entgegen des herkömmlichen Rhythmus an einem Mittwoch statt! Auch der Raum, Hörsaal XXII, ist ein anderer als sonst!

Vortrag

Queere Interdependenzen statt Intersektionalität

Dr. des Elahe Haschemi Yekani und Beatrice Michalis
21.Jan.2010, 19.00 Uhr, Melanchthonianum, Hörsaal XX, Uniplatz 8/9, Halle

In unserem Vortrag möchten wir uns mit der Beziehung zwischen Queer Theory und Intersektionalität auseinandersetzen, die trotz offensichtlicher Parallelen zwischen beiden kritischen Bewegungen eine schwierige bleibt. Während beide Forschungsfelder über das gemeinsame Interesse an der Analyse multipler und konfligierender Prozesse der Identitätsformation miteinander verbunden werden können, werden sie durch eine doppelte Leerstelle getrennt: Erstens gibt es eine gewisse Vernachlässigung von Sexualität in den Intersektionalitätstheorien der Gender Studies. Zweitens lässt sich ein fortgesetztes Schweigen zu Intersektionalität in einer vorwiegend weißen Genealogie von Queer Theory beobachten. Kritische, vor allem anglo-amerikanische Perspektiven wie z. B. Queer of Color Critique und Queer Diaspora Critique, Queer Disability und Transgender Studies wie auch Queer Jewish Studies und Queer Class Ansätze haben dieses theoretische Dilemma aufgegriffen und die Debatte hin zu einem multidimensionalen queeren Verständnis von Identitätskonstruktion geöffnet. In dem Vortrag versuchen wir, einen imaginären ‚Trialog’ zu organisieren zwischen, erstens, den anglo-amerikanischen Formulierungen von intersektionalen und multidimensional queeren Perspektiven, zweitens, deutschen Versionen und Umarbeitungen dieser ‚reisenden’ Theorien in dis/simultanen Zeitrahmen, soziokulturellen Räumen sowie, drittens, unserem Vorschlag einer queeren Interdependenz als korrektiver Methodologie und reflexiver Perspektive auf die praktischen und epistemologischen Grenzen beider theoretischer Kulturen, d.h. Intersektionalität und Queer Theory. Aufgrund unserer Verortung in spezifischen akademischen Kulturen kommen die zu diskutierenden Beispiele hauptsächlich aus deutschen und anglo-amerikanischen Kontexten.

 

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Vortrag

VerQueert Denken – Normalität(en) hinterfragen

Prof. Dr. María do Mar Castro Varela
22.Okt.2009, 19.00 Uhr, Melanchthonianum, Hörsaal XX, Uniplatz 8/9, Halle

„Der Begriff heterosexuelle Matrix steht […] für das Raster der kulturellen Intelligibilität, durch das die Körper, Geschlechtsidentitäten und Begehren naturalisiert werden. […] Es geht darum, ein hegemoniales diskursives/epistemisches Modell der Geschlechter-Intelligibilität zu charakterisieren, das folgend unterstellt: Damit die Körper eine Einheit bilden und sinnvoll sind, muß es ein festes Geschlecht geben, das durch die zwanghafte Praxis der Heterosexualität gegensätzlich und hierarchisch definiert ist“. [Judith Butler]

Was ist eine „heterosexuelle Matrix“? Was ein „Raster der kulturellen Intelligibilität“? Queer Studies sind voraussetzungsvoll. Gleichzeitig stellen sie eine Perspektive dar, die nicht nur das Denken schult, sondern dasselbe eben nötigt anders zu denken.
Seit den 1990er Jahren etablierten sich Queer Studies nach und nach in der anglophonen Hochschullandschaft und auch im deutschsprachigen Raum sind sie nicht mehr aus den Gender Studies wegzudenken. Im Vortrag sollen einige der Herausforderungen queeren Denkens vorgestellt und darüber hinaus Queering als permanent-kritischer Prozess dargelegt und zur Diskussion gestellt werden. Ein Fokus wird dabei auf die Verbindung zur Postkolonialen Theorie gelegt. Womit deutlich gemacht werden soll, inwieweit Sexualitätsdiskurse internationale Macht- und Herrschaftssysteme (etwa Imperialismus aber auch Migrationsregimes) etablieren halfen und bis heute stabilisieren. Und warum Rassismus und heteronormative Reproduktivität aufs engste miteinander verlinkt sind.

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Körpermodifikationen in BDSM und queerer Kultur – Kritische Gedanken zur Ethnisierung der Ästhetik und der Rassialisierung des Körpers

Dr. Christian Klesse, Manchester
Freitag, 12.Dez.2008, 14.15 Uhr, Hörsaal XV des Melanchthonianums, Uniplatz 1, Halle

Techniken der Körpermodifikation wie z.B. piercing, tattooing, stretching, scarification, usw. spielten eine besondere Rolle in sex-positiven, schwulen, lesbischen, queeren und/oder BDSM Zusammenhängen lange bevor manche dieser Techniken populärer wurden. Studien zur jüngeren Geschichte der Körpermodifikation in westlichen Ländern gestehen lesbischwulen und BDSM erotischen Szenen durchaus eine VorreiterInnerolle zu. In BDSM und queeren Kontexten sind Körpermodifikationen oft Teil erotischer oder sexueller Praxis oder Darstellung. Für viele bestehen auch Anknüpfungspunkte zu Fragen der persönlichen Identität. Bezugnahme auf ‚ethnisierte Praxen‘- auf rituelle Inszenierungen der Körpermodifikation oder kulturell spezifische Formen des Designs – sind oft explizit. Der Vortrag beschäftigt sich mit den vielfältigen Arten auf welche Körpermodifikationen als ‚transgressiv‘ beschrieben werden. Das Interesse gilt insbesondere den diskursiven Momenten, in welchen (queere) Grenz-überschreitung sich in ethnisierten oder rassialisierten Konnotationen präsentiert. Gegenwärtige Körperkunst und radikale Körpermodifikation bedient sich oft aus dem Repertoire des Mythos vom ‚Primitiven‘, einem kolonialen und postkolonialen imaginären Konstrukt, in welchem Körper und Sexualität mit ‚Race‘ verschmelzen. Die unachtsame Reproduktion neo-primitiven Gedankenguts verweist auf Grenzen hinsichtlich des progressiven Potentials gegenwärtiger sex-radikaler queerer Bewegungen. Die Ethnisierung oder Rassialisierung des Transgressionsmodelles findet seine Fortsetzung auf der Eben der Queeren Theorie. Der Vortrag führt mich somit von einer Diskussion bestimmter Praxen der Körpermodifikation zu einer grundlegenden Kritik (queerer) Transgressionskonzepte.

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Intersektionalität und queere Pädagogik – eine Verhältnisbestimmung

Dr. Jutta Hartmann, Hildesheim
04.Dez.2008, 19.30 Uhr, Audimax, Hörsaal XXIII, Uniplatz 1, Halle

Intersektionalität steht als relativ neues Forschungsparadigma im Bereich der sozialen Ungleichheitsforschung in enger Verwandtschaft zur queer theory: beide erheben den Anspruch, multiple und konfligierende Kategorisierungsprozesse zu analysieren. Die Frage nach Verbindungen und Trennungen und schließlich nach dem Potential, das beide Ansätze füreinander entwickeln können, soll genauso erörtert werden, wie der Stellenwert von Intersektionalität für eine (queer verstandene) Pädagogik, die unter anderem Normierung und Normalisierung als zentrale Kategorien zu bearbeiten sucht.

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„… und erkläre Sie hiermit zu Mann und Frau“ – Heteronormativität als Konzept zur Analyse sozialer Verhältnisse.

Thomas Viola Rieske, Berlin
06.Nov.2008, 19.30 Uhr, Audimax, Hörsaal XXIII, Uniplatz 1, Halle

Heteronormativität wird im Rahmen von Queeren Theorien als Analysebegriff benutzt, um die machtvolle Durchdringung von Körpern, Selbstverständnissen und Lebensmöglichkeiten durch Vergeschlechtlichung und Sexualisierung zu begreifen. Als Weiterentwicklung von Begriffen und Analysen aus der Frauen- und Geschlechterforschung sowie den Gay & Lesbian Studies benennt er normative Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit als zentrale Struktur moderner westlicher Gesellschaften, die gemeinsam mit weiteren Strukturen hierar-chisierte Subjektpositionen herstellt.

Der Begriff dient dem Verständnis der Herstellung sozialer Ungleichheit und der Reflexion politischen Handelns. In dem Vortrag wird die Geschichte des Begriffs dargestellt und verschiedene Verwendungsweisen erläutert. Anhand von Analysen aus verschiedenen Forschungskontexten (Vergeschlechtlichungsprozesse im Jugendalter, neoliberale Sexualitätspolitiken im Kontext von Orientalismus und Terrorismus, anti-heteronormative Praktiken) werden das Erkenntnispotenzial dieses Begriffes erläutert, Probleme bei seiner Verwendung diskutiert und Möglichkeiten der Weiterentwicklung vorgestellt.


Download (49:15 min, 45 MB)