Dr. Dunja Brill
Unlikely Couples? Queere Inszenierungsstrategien und maskulinistische Musik-Subkulturen

Ausgehend von einer Darstellung subversiver queerer Strategien der Selbstinszenierung wird mein Vortrag unerwarteten Verbindungslinien zwischen solchen Strategien und typischen Inszenierungspraxen als homophob und sexistisch verschriener Musikszenen nachspüren. Industrial, eine Art Maschinenmusik, und Extreme Metal, eine extreme Spielart des Heavy Metal, sowie die sie umgebenden Subkulturen sind zweifellos stark maskulin und heteronormativ geprägt. Werden solche Szenen und ihre Musik in Bezug zu queerer Theorie und Praxis gesetzt, erwartet man ein Schwarz-Weiß-Bild: einen Vergleich zwischen queeren Inszenierungsstrategien als ironisch-subversiver Drag versus Inszenierungsstrategien des Industrial und Extreme Metal als maskulinistisch-reaktionärer ‘Anti-Drag’. Eine differenzierte empirische Analyse der Inszenierungspraxen beider Lager zeigt jedoch überraschende strukturelle Parallelen zwischen gemeinhin als progressiv geltenden queeren Praxen und den häufig gewaltvoll, martialisch und hypermaskulin wirkenden Inszenierungen der untersuchten Musikszenen. An die Stelle des erwarteten Schwarz-Weiß-Bildes tritt so eine Zeichnung mit vielen Graustufen, die im Hinblick auf gängige Konzepte und Strategien queerer Subversion einige Fragen aufwirft.

Dunja Brill ist Medien- und Kulturwissenschaftlerin (European Doctorate, University of Sussex, 2006) mit Abschlüssen in Psychologie (Bonn, 2000) und International Journalism (Edinburgh, 2001). Sie hat in Brighton und Berlin Medienwissenschaft sowie Gender Studies gelehrt und ist sporadisch als Wissenschafts- oder Musikjournalistin tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Subkulturen, mediale Repräsentationen von Geschlecht und Sexualität, alternative Musik, und die methodologische Verbindung von diskursanalytischen und ethnografischen Ansätzen. Aktuell arbeitet sie am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität Berlin am DFG-geförderten Post-doc-Projekt ‘Sound-Schlachten – Männlichkeit, Gewalt und Whiteness in subkulturellen Musikszenen’.

Veröffentlichungen u.a.: Goth Culture. Gender, Sexuality and Style (2008, Berg Publishers); Subculture for Sale? Cultural, Content and Production Values in Goth Music Journalism (2008, Wissenschaftlicher Verlag Berlin); [mit G. Jähnert]: Diskurs_Feld Queer: Interdependenzen, Normierungen und (Sub)kultur. Bulletin Texte, Vol. 36. (2009, ZtG der HU Berlin).

Terminplan

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2 Kommentare zu „

    1. Wir streben eigentlich einen pünktlichen Beginn um 19 Uhr an. Mal sehen wie gut uns das gelingt. 🙂
      Bis zum Donnerstag!

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