Klemens Ketelhut/Thea Wende
Queering Diversity

Diversity avanciert in handlungstheoretischen Konzepten zunehmend zum Hoffnungsträger im Umgang mit als komplex wahrgenommenen Heterogenitätsstrukturen. So wird ökonomisch auf Diversity-Management gesetzt, um aus Unternehmen im weitesten Sinne multikulturelle Organisationen zu machen, um Vielfalt als Chance und nicht als Schwierigkeit zu interpretieren. Diversity-Education hingegen fokussiert auf unterschiedlich zusammengesetzte Klassen- oder Schulgemeinschaften und entwickelt Konzepte, die vorgefundene Vielfalt als positive Ressource zu begreifen und zu nutzen. Diese beiden Beispiele zeigen, welche Diskurse im Fahrwasser der Debatte um den Umgang mit Verschiedenheit mitschwimmen. Dennoch erscheint Diversity spätestens auf den zweiten Blick problematisch: die Umstellung von Ungleichheit auf Verschiedenheit, die dem Konzept zugrunde liegt, hat durchaus als kritisch zu bezeichnende Implikationen. War und ist Ungleichheit als sozialwissenschaftliche Kategorie nach wie vor anleitend für eine Erforschung und Auseinandersetzung vor allem mit ihren eigenen Ursachen (sei es in der klassisch-soziologischen Ungleichheitsforschung, sei es in neueren Ansätzen wie dem der Intersektionalität), kann Diversity als eine weitgehend pragmatisch verstandene Konzeption gelesen werden, die die Hintergründe des Vorgefundenen auszublenden scheint.

Der Salon will einen Raum eröffnen, dieses Spannungsfeld, das sich zwischen Verschiedenheit und Ungleichheit ergibt, genauer zu bestimmen und zu diskutieren. Dabei kann es sowohl um einen queeren Blick auf das Konzept von Diversity gehen als auch um die Auseinandersetzung der unterschiedlichen Vorgehen im Umgang mit Ungleichheit und Verschiedenheit und deren (politische, theoretische und/oder handlungsleitende) Implikationen.

Klemens Ketelhut, M.A., ist staatlich anerkannter Heilerziehungspfleger, studierte Ökonomie, Soziologie und Rehabilitationspädagogik und arbeitet seit 2008 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg am Institut für Pädagogik. Forschungsschwerpunkte: Historische Bildungsforschung sowie aktuelle Fragen der Gender- und Queerstudies.

Thea Wende, M.A., studierte Soziologie und Erziehungswissenschaften an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und arbeitet seit 2009 als Sozialberaterin für das translesbischwule Begegnungs- und Beratungszentrum RosaLinde Leipzig e.V.

Zum Weiterlesen:

Krell, Gertraude et al (Hg.): Diversity Studies. Grundlagen und disziplinäre Ansätze. Frankfurt/New York: 2007

Terminplan

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