Dr. Sabine Flick: Psychotherapie und Heteronormativität. Krankheits-, Gesundheits- und Genesungsvorstellungen von Psychotherapeut_innen

Abstract:

Der aktuelle Gesundheitsreport der DAK (gesetzliche Krankenkasse) von 2013 berichtet, dass psychische Erkrankungen erstmals an Platz 2 aller Erkrankungen liegen. Immer mehr Menschen machen Psychotherapien und haben mit psychotherapeutischem Wissen in unterschiedlichen Kontexten Kontakt. Die Bedeutung von Psychotherapien als Subjektivierungsinstanz nimmt also zu und diese Entwicklung rückt Psychotherapeut_innen in den Fokus. Gender- sensibilität ist mittlerweile weitläufig Kanon der Psychotherapie-Schulen und ihrer Diskurse. Schwule, Lesben und Bisexuelle können seit einigen Jahren zur psychotherapeutischen Ausbildung zugelassen werden. Dies ist allerdings eine recht neue und nicht abgeschlossene Entwicklung. Bis in die 1990er Jahre versuchte man Homosexuelle von ihrem Leiden zu heilen, und Psychoanalyse tut sich auch heute noch schwer, queere Personen zur Psychotherapie- ausbildung zu zu lassen. Psychotherapie rückt überdies immer wieder in den Fokus (und in die Kritik) wenn es um die „Behandlung“ nonkonformer Ausdrucksweisen von Geschlecht als Geschlechtsidentitätsstörungen geht. Zugleich etablieren sich in Großstädten affirmative Therapien für LGBT Patient_innen. Psychotherapie kann also Normalisierung aber auch Ermächtigung für nonkonforme Lebens- und Liebensweisen bedeuten. Dies macht den Blick auf die Herstellungsweisen von ‚Normalität‘ in psychotherapeutischer Praxis und ihre Verknüpfung mit Vorstellungen von Gesundheit und Gesellschaft der Psychotherapeut_innen selbst nötig. Wie wird in Psychotherapien Geschlecht und Begehren thematisch und welche normativen Orientierungen der Psychotherapeut_innen im Hinblick auf Gesundheit sind damit verknüpft? Welche heteronormativen Logiken sind mit psychotherapeutischen Konzepten verbunden? Welche sind relevant?

Zur Person:

Sabine Flick, Dr. phil., hat Soziologie, Politikwissenschaften und Psychoanalyse an der Goethe-Universität Frankfurt am Main studiert und in Kassel und Frankfurt promoviert. Sie war in Forschungsprojekten sowie im Forschungsmanagement der Fachhochschule Frankfurt tätig. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mit- arbeiterin am Institut für Soziologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Soziologie der Psychotherapie, Gesundheitssoziologie, Soziologien des Selbst, Soziologie der Emotionen und Persönliche Beziehungen (insb. Freundschaft).

Ausgewählte Veröffentlichungen:

Sabine Flick (2013): Leben durcharbeiten. Selbstsorge in entgrenzten Arbeitsverhältnissen. Frankfurt/New York: Campus Verlag

Flick, Sabine (2012): Nichtangriffspakt. Paradoxien freundschaftlicher Beziehungen in entgrenzter Arbeit. In: WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung, Freundschaft im Kapitalismus, Heft 1&2/2012

Flick, Sabine (2012): Selbstsorge als forschungsleitende Perspektive einer Untersuchung bei Beschäftigten in Banken und Versicherungen.Österreichische Zeitschrift für Soziologie, Heft 4/2012, Vol. 37, S. 337–384

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