Dr. Friedrich Schorb: „Reclaiming the F-Word“ – Strategien im Kampf gegen Gewichtsdiskriminierung

Abstract:

Diskriminiert und stigmatisiert werden in westlichen Gesellschaft Menschen, deren Gewicht, in aller Regel nach oben, von dem abweicht, was gesellschaftlich als normal definiert wurde. Dabei ist zu beachten, dass das, was als normal wahrgenommen wird, vom jeweiligen historischen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontext ebenso abhängig ist wie von der Schicht- und Geschlechtszugehörigkeit der Betroffenen.

Gewichtsdiskriminierung wird durch diejenigen Akteure aus Medizin, Psychologie und den Sozialwissenschaften, die mit der Bekämpfung von „Übergewicht“ beschäftigt sind, zwar bedauert, aber – anders als andere Diskriminierungsformen – als unvermeidbare und somit als quasi natürliche Folge des Körpergewichts angesehen. Das liegt daran, dass Adipositas als ein medizinisches Problem gerahmt wird, als eine Abweichung von einem unter naturwissenschaftlichen Prämissen als gesundheitlich optimal eingestuften Körpergewicht, das mit medizinischen Mitteln wiederhergestellt werden müsse. In der öffentlichen Meinung gilt ein als zu hoch empfundenes Körpergewicht dagegen weniger als medizinisches Phänomen, denn als Zeichen einer Charakterschwäche mit fatalen Folgen für die Gesundheit der Betroffenen, das Gesundheitssystem und langfristig für den gesamten Wirtschaftsstandort.

Diskutiert werden soll vor diesem Hintergrund, mit welchen Strategien und Argumentationsmustern Aktivistinnen und Aktivisten der „Fat Acceptance-Bewegung“  für Gewichtsakzeptanz argumentieren und welche Parallelen es zwischen Gewichtsdiskriminierung und anderen Diskriminierungsformen gibt.

Zur Person:

Friedrich Schorb hat Soziologie, Geschichte und Arbeitswissenschaften an den Universitäten Bremen und Pamplona (Spanien) studiert. Er war wissen- schaftlicher Mitarbeiter im Projekt „Übergewicht und Adipositas bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen als systemisches Risiko“ am Zentrum für Sozialpolitik (ZeS) der Universität Bremen. Seit 2009 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Studiengang Public Health der Universität Bremen und hat zum Thema „Die ‚Adipositas-Epidemie’ als politisches Problem. Gesellschaftliche Wahrnehmung und staatliche Intervention“ promoviert.

Ausgewählte Veröffentlichungen:

Schorb, Friedrich (2013): Fat Politics in Europe. Theorizing on the Premises and Outcomes of European Anti-“Obesity-Epidemic” Policies. In: Fat Studies Journal. An Interdisciplinary Journal of Body Weight and Society 2 (1), 3–16

Schorb, Friedrich (2009): Dick, doof und arm? Die große Lüge vom Übergewicht und wer davon profitiert?. München: Droemer

Schmidt-Semisch, Henning/Schorb, Friedrich (Hrsg.) (2008): Kreuzzug gegen Fette. Sozialwissenschaftliche Aspekte des gesellschaftlichen Umgangs mit Über- gewicht und Adipositas. Wiesbaden: VS-Verlag

Audiomitschnitt des Vortrags

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