Dr. des. Elahe Haschemi Yekani und Beatrice Michaelis
Queere Interdependenzen statt Intersektionalität

In unserem Vortrag möchten wir uns mit der Beziehung zwischen Queer Theory und Intersektionalität auseinandersetzen, die trotz offensichtlicher Parallelen zwischen beiden kritischen Bewegungen eine schwierige bleibt. Während beide Forschungsfelder über das gemeinsame Interesse an der Analyse multipler und konfligierender Prozesse der Identitätsformation miteinander verbunden werden können, werden sie durch eine doppelte Leerstelle getrennt: Erstens gibt es eine gewisse Vernachlässigung von Sexualität in den Intersektionalitätstheorien der Gender Studies. Zweitens lässt sich ein fortgesetztes Schweigen zu Intersektionalität in einer vorwiegend weißen Genealogie von Queer Theory beobachten. Kritische, vor allem anglo-amerikanische Perspektiven wie z. B. Queer of Color Critique und Queer Diaspora Critique, Queer Disability und Transgender Studies wie auch Queer Jewish Studies und Queer Class Ansätze haben dieses theoretische Dilemma aufgegriffen und die Debatte hin zu einem multidimensionalen queeren Verständnis von Identitätskonstruktion geöffnet. In dem Vortrag versuchen wir, einen imaginären ‚Trialog’ zu organisieren zwischen, erstens, den anglo-amerikanischen Formulierungen von intersektionalen und multidimensional queeren Perspektiven, zweitens, deutschen Versionen und Umarbeitungen dieser ‚reisenden’ Theorien in dis/simultanen Zeitrahmen, soziokulturellen Räumen sowie, drittens, unserem Vorschlag einer queeren Interdependenz als korrektiver Methodologie und reflexiver Perspektive auf die praktischen und epistemologischen Grenzen beider theoretischer Kulturen, d.h. Intersektionalität und Queer Theory. Aufgrund unserer Verortung in spezifischen akademischen Kulturen kommen die zu diskutierenden Beispiele hauptsächlich aus deutschen und anglo-amerikanischen Kontexten.

Dr. des. Elahe Haschemi Yekani studierte Anglistik/Amerikanistik sowie Theaterwissenschaft/Kulturelle Kommunikation an der Humboldt-Universität zu Berlin und der University of Westminster, London. 2009 hat sie ihre Promotion mit einer Arbeit zu The Privilege of Crisis abgeschlossen, in der sie sich mit Narrativen kolonialer und postkolonialer Männlichkeiten beschäftigt. Zurzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Anglistik und Amerikanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2005-2007 war sie Promotionsstipendiatin im DFG-Graduiertenkolleg „Geschlecht als Wissenskategorie“.

Forschungsschwerpunkte: englischer Roman des 20. Jh., Queer Theory, Postcolonial Studies und Masculinity Studies.

Publikationen u.a.: Quer durch die Geisteswissenschaften. Perspektiven der Queer Theory (2005, Hg. mit B. Michaelis); Erlöser. Figurationen männlicher Hegemonie (2007, Hg. mit S. Glawion und J. Husmann-Kastein); „‚Checks and Balances.’ Zum Verhältnis von Intersektionalität und Queer Theory.“ (zusammen mit G. Dietze und B. Michaelis) (In: K. Walgenbach et al. Gender als interdependente Kategorie. Neue Perspektiven auf Intersektionalität, Diversität und Heterogenität (2007).

Beatrice Michaelis, M.A. studierte Anglistik/Amerikanistik sowie Ältere deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin und der University of Westminster, London. 2009 hat sie ihre Dissertation mit dem Titel (Dis-)Artikulationen von Begehren abgeschlossen, in der sie sich mit dem Verhältnis von Reden und Schweigen in mittelalterlichen wissenschaftlichen und literarischen Texten zu Geschlecht und sexuellem Begehren beschäftigt. Zurzeit ist sie Forschungskoordinatorin am International Graduate Centre for the Study of Culture in Gießen. Zuvor arbeitete sie als Lehrbeauftragte an der TU Dresden und der HU Berlin. Von 2005 bis 2007 war sie Stipendiatin des DFG-Graduiertenkollegs „Geschlecht als Wissenskategorie“.

Forschungsschwerpunkte: Literatur des Hoch- und Spätmittelalters, Postcolonial Studies, Gender Studies, Queer Theory, Narratologie und Wissenschaftsgeschichte.

Publikationen u.a.: Quer durch die Geisteswissenschaften. Perspektiven der Queer Theory (2005, Hg. mit E. Haschemi Yekani); „‚Checks and Balances.’ Zum Verhältnis von Intersektionalität und Queer Theory.” (zusammen mit G. Dietze und E. Haschemi Yekani) (In: K. Walgenbach et al. Gender als interdependente Kategorie. Neue Perspektiven auf Intersektionalität, Diversität und Heterogenität (2007); Geschlecht als Tabu (2008, Hg. mit U. Frietsch, K. Hanitzsch und J. John).

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