Sabine Mohamed: Schwarzer Feminismus in Deutschland – Black Feminism is not white feminism in Black face

Zeit: Donnerstag, d. 15.01.2015, 19 Uhr s.t.

Ort: Hörsaal XXII im Audimax, Universitätsplatz 1, 06108 Halle

Abstract:

«Das, was wir jetzt Community nennen, war wie ein Zug, der immer länger und schneller wurde und nicht mehr so einfach in eine Richtung zu steuern war.» (Piesche 2012: 25)

Schwarze lesbische Aktivistinnen haben in den achtziger Jahren eine zentrale Rolle in der Formierung einer Schwarzen Bewegung und des Schwarzen Feminismus in Deutschland eingenommen. Sie stellten nicht nur die Frage nach einer community (Gemeinschaft), sondern auch das Konzept einer globalen Schwesternschaft in Frage. Gleichwohl prägte die amerikanische «black feminism» Bewegung und Theorieproduktion den Diskurs innerhalb des Schwarzen Feminismus in Deutschland. Darunter zählt vor allem der Austausch mit Audre Lorde und die Beschäftigung mit afroamerikanischen Denkfiguren wie bell hooks, Patricia Hill Collins und Angela Davis.
Dennoch läuft das Konzept einer globalen Schwesternschaft Gefahr die Kategorie «Frau» als normativen und partikularen Charakter zu repräsentieren. Tatsächlich werden die unterschiedlichen Lebensrealitäten zu einem Hintergrundrauschen. Die Verschränkungen von sozialen und strukturellen Ungleichverhältnissen in einem rassistischen System werden dabei übersehen. «Black Feminism is not white feminism in Black face» (Audre Lorde), die Kritik von Schwarzen an weiße Feministinnen war eben jenes Festhalten an einem feministischen Narrativ «der weißen Frau» als universelle Kategorie. Darüber hinaus hat Schwarzes feministisches Denken auch das Wissensarchiv bereichert, indem es das systematische Nicht-Wahrnehmen von marginalisierten Geschichten Schwarzen Lebens in der Republik wieder sichtbar(er) gemacht hat.
Der Vortrag wird folgende Aspekte diskutieren: den Schwarzen Feminismus in Deutschland, den Einfluss des «black feminism» aus den USA auf die deutsche Bewegung sowie auf die Frage wie feministische Bündnisse zwischen Schwarzen und weißen Feminist_innen aussehen können, um einen gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen.

Zur Person:

Sabine Mohamed ist seit Oktober 2014 Doktorandin am Max-Planck-Institut zur Erforschung multiethnischer und multireligiöser Gesellschaften in Göttingen. Sie studierte Politische Wissenschaft, Islamwissenschaft und Ethnologie in Heidelberg, volontierte bei der Neuen Zürcher Zeitung in Zürich und ist Autorin auf dem größten deutschsprachigen feministischen Gemeinschaftsblog Mädchenmannschaft. Sie bloggt über feministische, queere und anti-rassistische Themen.

Ausgewählte Veröffentlichungen:

Eggers, Maisha Maureen und Mohamed, Sabine (2014): Schwarzes Feministisches Denken und Handeln in Deutschland. In: Franke, Yvonne; Mozygemba Kati; Pöge, Kathleen Pöge; Ritter, Bettina und Dagmar Venohr (Hrsg.): Feminismen heute. Positionen in Theorie und Praxis. Transcript, Bielefeld.

Mohamed, Sabine (2012): Überlegungen zu geschlechterpolitischen Bündnissen, ihre Chancen, ihre Probleme und Totgeburten. In: Heinrich Böll Stiftung: Was ist der Streit-Wert? Online verfügbar unter: http://streit-wert.boellblog.org/2012/01/19/sabine-mohamed/.

Zum Weiterlesen:

Eggers, Maisha Maureen (2014): Knowledges of (Un-) Belonging – Epistemic Change as a defining mode for Black Women’s Activism in Germany. In: Nagl, Tobias & Lennox, Sara (Hrsg.) (2014): Remapping Black Germany. New Perspectives on Afro-German History, Politics, and Culture. Amherst, University of Massachusetts Press.
Oguntoye, Katharina & Opitz, May (1986): Farbe bekennen : afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte. Dagmar Schultz (Hg.).Orlanda Verlag, Berlin.
Piesche, Peggy (2012): Euer Schweigen schützt Euch nicht. Audre Lorde und die Schwarze Frauenbewegung in Deutschland. Orlanda Verlag, Berlin.

Terminplan

Hier geht es zur Audioaufzeichnung des Vortrags.

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